4Widnau. «Eigentlich ist die Erklärung meines Namens ganz einfach: die mittelhochdeutsche Vorsilbe «ingen» bedeutet «auf dem» — und Sand ist ja klar», erzählt Hilmar Ingensand. Die Vorsilbe «ingen» findet sich auch in der Schweiz, etwa im Wort «Ingenbohl» (auf dem Hügel). «Am Niederrhein, wo meine Vorfahren lebten, führte der Rhein jedes Jahr Hochwasser. Die Häuser standen im Wasser und, wie auch hier im Rheintal, hinterliessen Wirbel nach der Überflutung drei bis fünf Meter hohe Sandberge.» Auf einem solchen Sandberg errichtete ein Vorfahre etwa um 1690 seinen Hof, um inskünftig vor den Fluten sicher zu sein — und so erhielt die Familie den Namen Ingensand. «Der Name ist in Deutschland einmalig: alle Ingensand lassen sich auf diesen einen Hof zurückverfolgen.»

Begegnung bei Konzert

5In der Schweiz gibt es nur noch einen zweiten Träger dieses Namens: Harald Ingensand in Feusisberg. «Er hat dort nur eine Ferienwohnung», hat Hilmar Ingensand herausgefunden. «Ich suchte den Kontakt zu ihm — aber leider bisher ohne Erfolg.» Doch einen weiteren Ingensand hat er gleichwohl in der Schweiz kennengelernt. «Ingo Ingensand hat in Winterthur das Konservatorium besucht und ist heute in Linz in Österreich Orchesterleiter. Per Zufall sind wir uns in Heiden bei einem Konzert begegnet. Sein Vater war Kulturdezernent in Berlin, und so eine bekannte Persönlichkeit.»

Professor und Studentin

professorHilmar Ingensand interessiert sich sehr für Namen, Sprachen und Dialekte: «Das kommt von meiner Frau Dorothee.» Die ehemalige «Rheintaler»-Mitarbeiterin studiert heute Germanistik in Zürich. Seit 15 Jahren lebt die Familie in der Schweiz. Achteinhalb Jahre arbeitete Hilmar Ingensand bei Leica in der Forschung und Entwicklung.Seit 1993 ist er an der ETH in Zürich Professor für geodätische Messtechnik. «Ich habe zwar eine Wohnung in Zürich, aber wir haben im Rheintal Wurzeln geschlagen. Der Lebensraum hier gefällt mir sehr. Hier sind fast alle Freizeitaktivitäten möglich.» Und noch etwas merkt er an: «Wir fühlen uns hier gut integriert, spüren keinerlei Ressentiments: im Gegenteil.»Oft werde er nach der Herkunft des Namens gefragt. «Die Leute vermuten häufig, er könnte schwedisch sein. Tatsächlich hat unser Sohn, der in Schweden Geographie studiert, herausgefunden, dass es in Schweden ein Tal gibt, dessen Name historisch Ingensand hiess. Aber jetzt wird der Name nicht mehr benutzt.» Hanspeter Thurnherr