23Die Strategie der Leica Geosystems AG macht sich bezahlt. Das Unternehmen beschleunigt sein Wachstum.

Hans Hess weiss schon jetzt, wie er in ein paar Jahren sein Feriendomizil auswählt: Der Konzernchef der Leica Geosystems (LG), Heerbrugg, surft im Internet auf Websites mit dreidimensionalen Modellen von fernen Gebieten, wandert virtuell über Strände und prüft die Aussicht von Hotelzimmern. Möglich machen wird dies das 3D-Laser-Scanning, wie es die Cyra Technologies in Kalifornien entwickelt, die von LG letzten November übernommen wurde. Diese Technologie erlaubt es, Vermessungsarbeiten am Modell durchzuführen, was Zeit und Geld spart.
Laser-Scanning ist eines von drei neuen Wachstumsfeldern der LG. Die zwei anderen sind auto-matisierte Steuerungen für Strassenbau-Maschinen (beispielsweise auf der A1-Baustelle St. Gallen – Wil), wozu die amerikanische Laser Alignment übernommen wurde, und die internationalen Katastermärkte, die via Beteiligungen an der deutschen AED Graphics AG (25%) und der kanadischen NovaLIS (31%) erschlossen werden sollen. Generell strebt Hess die Führerschaft in der Geomatik an, der Verbindung von Vermessung und Informatik.

Erweiterung der Märkte

24Als Wachstumsgebiete identifiziert hat LG zudem die Segmente Industrie-Messtechnik, Handlaser und Luftbild-Vermessung, die bereits je 10% zum Umsatz beisteuern. Der Löwenanteil von noch 60% (vor Jahresfrist 64%) stammt noch von den klassischen Vermessungs-Systemen. Laut Hess werden sie von den jungen Technologien nicht kannibalisiert; vielmehr öffneten diese neue Anwendungschancen, was den Markt erweitere.Obwohl LG in den klassischen Gebieten eine Konsolidierung anstrebt, tragen diese weiterhin entscheidend zum Wachstum bei. In den ersten drei Quartalen 2000/01 hat LG den Umsatz um 22,1% auf 457,3 Mio. Fr. gesteigert, der Cashflow kletterte um 37,5% auf 69,4 Mio. Fr., der Betriebsgewinn um 53,5% auf 40,7 Mio. Franken. Wegen Einmalkosten von 50,2 Mio. Fr. im Zusammenhang mit dem Börsengang weist LG einen Reinverlust von 20,7 Mio. Fr. aus.

Potenzial in Übersee

25Das 3. Quartal (per Ende Dezember) steuerte zu den Resultaten die grössten Anteile bei. Wegen eines ausserordentlich kräftigen Schlussspurts im Vorjahr rechnet LG-Finanzchef Christian Leu für das laufende Schlussquartal mit einer leichten Wachstumsverlangsamung. Für das ganze Geschäftsjahr sollte der Umsatz (i. V. 470 Mio. Fr.) um 15% zunehmen, der Cashflow (62 Mio. Fr.) um über 25%. Gestützt wird das Wachstum neben der Ausdehnung in neuen Segmenten auch durch eine geografische Diversifizierung, wobei Potenzial vorab in Amerika und Asien liegt, die je 20% Umsatzanteil haben. Im April letzten Jahres waren es erst 17% und 13%.

Arbeit in Hülle und Fülle

26LG beschäftigte Ende vergan-genen Jahres 2448 Mitarbeitende, davon 1397 in der Schweiz, wobei 1300 in Heerbrugg (mit Lehrlingen 1400) arbeiten. Arbeit gibt es vorläufig genügend: In den ersten neun Monaten 2000/01 stieg der Auftragseingang um 20,8% auf 462,7 Mio. Fr., wobei das 3. Quartal mit 171,2 Mio. Fr. einen Drei-monats–Rekordwert erreichte. In Heerbrugg hat LG derzeit 50 offene Stellen zu besetzen.